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Die Füllanlage Jüterbog im Wehrkreis III Bis 1935 war sie zugleich für die getarnte Luftrüstung mit zuständig. So sind in der neuen Geschoßfüllanlage unter anderem Fliegerbomben bis zu einem Gewicht von 5 Zentnern mit Sprengstoff gefüllt worden. Ab 1935 hatte die Luftwaffe eigene Fertigungsstätten und die Füllanlage Jüterbog arbeitete nur noch für das Heer. Es verdiente Anfang der 30er Jahre ein Hilfsarbeiter in der Munitionsanstalt weniger als 20 Reichsmark in der Woche. Als am 1. April 1937 Heeresmunitionsanstalt Jüterbog vom Feldzeugkommando (Fz.Kdo.) VIII zum Fz.Kdo. III/Berlin umgegliedert worden ist, verbesserten sich spürbar die Einkommen. Der einfache Arbeiter erhielt jetzt einen Stundenlohn von 87 Pfennigen, der Vorarbeiter bekam 1,43 RM. Beim Umgang mit Sprengstoffen gab es mindestens eine Mark pro Stunde. Das Anfangsgehalt von Angestellten betrug 320,-- RM. 1938 ist die Füllanlage wesentliche vergrößert worden. Zwei weitere Produktionsbezirke entstanden neu. Der gesamte Komplex bestand damit aus sieben Wohlfahrts- und Verwaltungsgebäuden, vierzehn Lagerhäusern, vier Werkstattgebäuden, drei Lokomotivschuppen und Kesselhäusern, einem Pumpenhaus mit Tiefbrunnen und drei Feuerlöschgeräteschuppen mit Schlauchtürmen. Während des Krieges kamen einige Luftschutzbunker hinzu. Im ersten, älteren Produktionsbezirk sind Granaten schweren Kalibers (15- und 21-cm-Granaten) im Handbetrieb mit Sprengstoff gefüllt wurden. In den beiden neuen Bezirken erfolgte die Sprengstoffüllung der Granatkörper weitgehend mechanisiert und teilautomatisch. Die Produktionspalette der neuen Bezirke umfaßte in den ersten Kriegsjahren die Füllung von 10,5cm Granaten für die leichte Feldhaubitze sowie Geschossen im Kaliber 7,5 cm. Die Tagesproduktion bestand pro Bezirk bei Granaten für die Kampfwagenkanone im Kaliber 7,5 cm bei rund 20 000 Stück und bei 10,5 cm-Granaten 10 - 12 000 Stück, was in Schichten zu je 10 Stunden passierte. Die übrigen vier Stunden waren als Maschinenpause technisch notwendig. Ein zeitweilig praktizierter Schichtbetrieb von 3 x 8 Stunden „rund um die Uhr“ mußte wegen Überhitzung der Maschinen aufgegeben werden. Insgesamt war die Füllanlage in der Lage, monatlich bis zu 1250 Tonnen Sprengstoffe bzw. Sprengstoffgemische in Granaten zu füllen. Es waren zur Friedenszeit in der gesamten Munitionsanstalt etwa 2000 Menschen beschäftigt. Im Kriege stieg die Zahl auf rund 5000. Ab 1939 wurden Deutsche zur Arbeit in der Füllanlage dienstverpflichtet. Ab 1940 kamen Fremdarbeiter und Kriegsgefangene hinzu. Obwohl die Nachrichtendienste der westlichen Alliierten genau über die Lage und die Kapazität der Füllanlage informiert waren, ist die Produktionsstätte nie aus der Luft angegriffen worden. Erst die Zerstörung des Jüterboger Bahnknotens durch die US-Air Force am 18. April 1945 behinderte den Abtransport der Produktion. Bis zum 19. April, einen Tag vor dem Einmarsch der Roten Armee, wurde in der Munitionsanstalt wie der Füllanlage voll gearbeitet. Bis zuletzt sind die Beschäftigten zu Sonderschichten und Überstunden aufgerufen worden, um die Front mit Munition zu versorgen. Erst am 20. April bei der Meldung, daß die ersten Panzerspitzen schon in der Nähe sind, ist die Arbeit eingestellt worden.
Quellen: |
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