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Lieber Vater! Hoffentlich hast Du dich nicht durch das längere Ausbleiben einer Nachricht von mir gesorgt. Jetzt habe ich einige Tage Ruhe. Ich sitze in einem tadellos ausgebautem Russenbunker 200 Meter hinter der vorderen Infanterielinie in dem Schluchtengelände das von der unleserlich kürzlich im Wehrmachtbericht erwähnt wurde. Es herrscht hier jetzt eine blödsinnige Hitze, die bleischwer sich auf den Körper legt und einem bei der kleinsten Anstrengung den Schweiß bächeweise aus den Poren treibt. Leider ist unsere Uniform nicht für so etwas vorgesehen. So läuft alles in Lederhose mit Stahlhelm, selbst in vorderster Linie und im Frontfeuer herum, wo er vom Feind nicht einzusehen ist. Unser Kampf hier um das letzte russische Bollwerk auf der Krim wird gekennzeichnet durch einen noch nie erlebten Materialeinsatz unleserlich, durch eine völlige Luft- und Artillerieüberlegenheit gegen einen unglaublich zähen infanteristischen Widerstand der Russen in einem Gelände, das alle Vorteile in der Verteidigung bietet und den Angreifern von modernen ausgebauten Befestigungsanlagen vor schwerste Aufgaben stellt. Hier wird mit größter Erbitterung und unerhörtem Materialeinsatz gerungen. Schon ist die getrennte Nordfront unter unserem furchtbaren Artilleriefeuer zusammengebrochen. Hier hatten wir schon im Winter auf fast ebenem Gelände unsere Linie bis auf 3 km an die Hafenanlagen herangeschoben. Im Süden finden die Kämpfe in dem auslaufenden Jailagebirge statt. Wer das nicht mit eigenen Augen gesehen hat, kann sich davon überhaupt keine Vorstellung machen. Der Fall der südlichen Festungsanlagen ist nur noch eine Frage der Zeit. Die Schlacht auf dem unleserlich war dagegen ein Kinderspiel, ein gefährlicher Spaziergang. Hier wird im Gelände verkrallt, fanatisch gekämpft. In jedem Waldstück und jeder Felsklippe wird gekämpft. Unsere Überlegenheit beginnt den Verteidiger langsam aber sicher zu erdrücken. Zumal der Nachschub durch den Haupthafen gesperrt ist. Für uns „unleserlich der heiligen Barbara“ ist der Einsatz hier besonders schwierig, doch schiebt sich der Artillerist bei dieser Art von Kämpfen immer mehr in die erste Linie, um Stellung auf Stellung, auf kürzeste Entfernung beobachtend, zu zertrümmern und unserer heldenmütigen Infanterie den Bodenweg durch Minenfelder, Drahtverhaue und feuerspeiende Betonbunker zu ebnen. Mir geht es gesundheitlich ganz ausgezeichnet, von schweren körperlichen Schäden kann bei mir gar nicht die Rede sein. Leider könnt ihr daheim nicht sehen wie ich jetzt in einer Badehose wohlgenährt in einem guten russischen Kommissarbunker auf einem Polsterstuhl sitze und an Dich schreibe. Draußen kracht und heult es hin und wieder. Drinnen herrscht übermütige Fröhlichkeit bei bester Verpflegung und gutem Schnaps. Wenn die Festung gefallen sein wird komme ich auf Urlaub nach Deutschland. Hoffentlich sehr bald! Wenn es hier noch länger dauern sollte komme ich vielleicht schon früher. Aber du weißt ja, wie es so oft kommt, meistens aber anders als man denkt. Idalein schreibt mir aus Attersee, daß es ihr gut ginge und sie sich dort sehr wohl fühle. Auch Timm-Ludwig soll im Sommer vielleicht dort hin fahren. Ich möchte es ihm wünschen, denn die Zeit für solche schönen Fahrten geht so schnell vorbei. Ich möchte nicht schließen ohne noch einmal Dir für das große Geburtstagspaket zu danken, das für uns anspruchslose Rußlandsoldaten geradezu zivilisatorische Wunderdinge enthielt. Natürlich kann ich alles sehr gut gebrauchen und danke nochmals von Herzen für euer alle Mühe. Auch deine letzten Brief- und Kartengrüße habe ich erhalten, in denen du mir den Eingang meiner kurzen Siegesnachricht aus Kertsch bestätigst. Eine Luftpostmarke für Dich habe ich beigefügt. Mit dankbaren Grüßen verbleibe ich dein Max-Eugen |
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