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Liebe Mutter! Nach einer längeren Schweigezeit will ich auch dir jetzt, wo ich Zeit und Ruhe dazu habe, einen kurzen Gruß zuschicken. Gleich vorneweg gesagt, deine Bedenken und Sorgen sind ohne Grund, mir geht es wirklich wieder ausgezeichnet und die Winterwendekrankheit ist schon lange vergessen. Du kannst mir ruhig Glauben schenken, es stimmt schon immer so, wie ich dir schreibe. Jetzt ist es nur sehr heiß und das ist meine einzige Sorge. Sobald es irgend geht reißen wir unsere gesamte Uniform vom Leibe und führen in unseren Bunkern und während der kurzen Ruhepausen zwischen den Kämpfen in der Badehose Krieg, sonst wäre es nicht zum Aushalten. Nur muß man sich sehr vor direkter Sonnenbestrahlung hüten, wegen des fast unvermeidlichen schweren Sonnenbrandes. Wenn hier nicht die Bomber ununterbrochen über uns donnerten und das beiderseitige Artilleriefeuer unsere täglich Begleitmusik wäre, würde ich mir wie in einer wundervollen Sommerfrische vorkommen. Zur linken Hand das azurblaue Schwarze Meer von dem ein ständiger frischer und würziger Wind weht, in dieser Hitze unsere „Letzte Rettung“. Zur rechten Hand die bewaldeten Höhen des Jailagebirges mit seinen schroffen Felsen und tiefeingeschnittenen Schluchten an deren Rändern die halsbrecherischen Serpentinenwege sich entlang winden, auf denen Tag und Nacht der Nachschub für die in fast weglosem Gebirge kämpfende Front rollt. Seit Wochen wölbt sich darüber ein wolkenloser blauer Himmel. Auf den Hängen des Südabfalls reifen die Reben und in den fruchtbaren Tälern rieseln die künstlichen Bäche durch kilometerlange herrliche Obst- und Fruchtgärten. Auf unserer Fahrt hierher, die mir unvergeßlich in der Erinnerung bleiben wird, besuchte ich die Küstenstadt Jalta und kam dicht am Zarenschloß Liradin vorbei. Es ist in der Tat ein wundervolles Fleckchen Erde, diese russische Riviera. Die Naturschönheit konnte selbst der Bolschewismus nicht zerstören. Sie steht in ewiger, göttlicher Unberührtheit heute noch ebenso wie zu Zeiten der rauschenden Zarenfeste da und wird von unseren Soldaten mit tiefer Freude genossen. Diese unsere Front ist auch in dieser Beziehung einmalig. Ich bin immer wieder dankbar, daß mich das Schicksal hierher verschlagen hat, statt in die Einsamkeit und Öde der Sümpfe und Wälder im Nord- und Mittelabschnitt oder die sengenden Steppen nördlich des Asowschen Meeres. Für heute Schluß. Nochmals grüß dich von Herzen dein Max-Eugen |
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